Woche 44 – 53: #Vorfreude

Woche 35 – 43 #ruhenachdemsturm
August 19, 2020
#Vorfreude ist die schönste Freude - oder?
Es gibt ein Ereignis, wir freuen uns wochenlang, wenn nicht sogar Monate darauf, man plant, man erzählt es allen, denen man begegnet, man bereitet alles vor, man tut alles dafür - und dann passiert es.
Achtung, die folgenden Aussagen könnten für den ein oder anderen triggernd sein, ich beschreibe nur was ich durchgemacht habe und falls es euch weiterhin interessiert, geht’s weiter:
So oder so ähnlich kann man die letzten Wochen der Wette eigentlich nicht beschreiben, es ging nur noch darum, die nötigen Kilos zu verlieren. Ich stand endlich bei konstanten 66 kg, allerdings wollten die restlichen 4 Kilos einfach nicht runter. Ein Jahr lang hat mich diese Wette begleitet und ich habe vieles probiert. In dieser gesamten Wettzeit habe ich Youtube zu lieben gelernt, es gibt wirklich zu jedem beliebigen Thema ein Video, insbesondere im Bereich Fitness und Abnehmen. Hier anbei ein Video, welches mir sehr geholfen hat. Es geht darum, dass jeder ungefähr einem bestimmten Körpertyp entspricht und dementsprechend hilft es, gewisse Hinweise zu beachten, falls man abnehmen möchte.
Dem Video nach gehöre ich eher zum endomorphen Typ, d.h. ich setze eher Fett an der Bauch- und Beinregion an. Um diesen Überschuss los zu werden, gibt es einige Eckpunkte, die man sich gut merken kann.
1. Kohlenhydrate sind geil, dazu muss man aber Folgendes noch wissen. Wenn der Körper Energie verbrennen will, wird er zuerst die Kohlenhydrate verbrennen, die man ihm zuflößt, weil diese am einfachsten zu verbrennen sind. Der Überschuss wird aber als Fett angesetzt. Daher gilt für den endomorphen Körpertypen, die Kohlenhydrate zu reduzieren und die Energie eher aus Eiweißen und Proteinen zu ziehen. Übersetzt: Milch, Milchprodukte (auch Kääääse), Eier, Speck, Fleisch generell sowie grünes Gemüse bis zum Abwinken, dafür nicht absichtlich Kartoffel, Reis, Nudeln, Brot aber auch Obst und Gemüse mit einem hohen Kohlenhydratanteil meiden.
2. Zusätzlich zum vorherigen Punkt kommt dazu, was echt gemein ist, dass dieser Körpertyp von selbst nicht wirklich viel verbrennt. D.h. wenn ich mich nicht bewege, setze ich viel leichter Gewicht an als andere Körpertypen. Das erklärt auch, warum ich letztes Jahr so viel Gewicht angesetzt habe. Was hier hilft: regelmäßig Sport treiben, aber nicht nur 24/7 Ausdauersport, sondern eine Kombi aus Ausdauer-, Intervalltraining und regelmäßigen Ruhephasen.
Dieses Video hat mir die Augen geöffnet. Ich hatte mich in der Vergangenheit bereits schon gefragt, warum ich trotz des ganzen Kraftsports eine gewisse Fettschicht noch habe, obwohl ich wirklich viel trainiert habe. Damals hatte ich weniger gewogen als jetzt, aber ich sehe derzeit sogar schlanker aus als zuvor. Zum anderen hat mir der Trainingsplan eine gewisse Entspannung geschaffen, weil ich einen groben Fahrplan hatte. Falls ein Intervalltraining anstand, mir aber eher nach Ruhe war, konnte ich die Blöcke einfach tauschen und damit hatte es sich erledigt. Zuvor habe ich mich, auch wenn es mit den Mädels wirklich Spaß gemacht hat, zum Teil zum Training gezwungen und Körperpartien trainiert, die an dem Tag nicht zu 100% fit waren. Anbei sieht man noch, wie so ein Plan ausgesehen hat.
Jetzt kommt natürlich die entscheidende Frage: Hast du es geschafft?
Dafür muss ich doch weiter ausholen.
Was ich getan habe:
Zu Beginn habe ich nur den Sport wieder eingeführt, da purzelten bereits zwei Kilos.
Daraufhin folgte das Kalorienzählen, welches wieder 1-2 Kilos purzeln ließen.
Zudem setzte das angepasste Intervallfasten ein, dass ich täglich erst ab 12 esse, aber abends keine Grenzen setze, bis wann ich essen darf. Das hat den Appetit verringert, aber keine Kilos runtergezogen. Zeitlang war ich so unzufrieden mit dem Fortschritt, dass ich die Kalorien stark runtergeschraubt habe. Für meine Verhältnisse habe ich sogar fast gehungert, aber eine Sache die ich an mir schätze ist, dass mir in den letzten Jahren mein Wohlbefinden so wichtig geworden ist, dass ich mir das nicht antun könnte, dauerhaft zu Hungern. Daher wurde dies bald auch wieder bald über Bord geworfen.
Das oben erwähnte Video war ein Game Changer und hat nochmal 1-2 Kilos runtergeschraubt.
Wer nun mitgezählt hat, wird merken, dass es keine 10 Kilos sind, allerdings kam ich in der besten Phase zu 7 verlorenen Kilos. Ich weiß nicht, ob ich es geschafft hätte, wenn ich das Video früher entdeckt habe, denn ich gestehe auch dass ich nicht immer zu 100% konsistent war. Zudem ging es mir körperlich in den letzten Wetttagen nicht so gut, daher habe ich auf meinen Körper gehört und ihm das gegeben, wonach er verlangt hat. Damit kommen wir auch schon zur

Ernährung:
Über das gesamte Jahr habe ich viele Ernährungsweisen ausprobiert, von alles erlaubt bishin zu starken Einschränkungen. Nichtsdestotrotz war mein Wohlbefinden zu wichtig, als das ich mich nur runter gehungert hätte. Ich hatte die Auswahl von low fat Kräuterquark mit Knäckebrot und Gurke bishin zu Zucchininudeln mit Bolognese und mächtig viel Käse. In diesem einen Jahr habe ich viele neue Rezepte ausprobiert, in verschiedenen Phasen hatte ich das Vergnügen verschiedene Lebensmittel en masse zu verzehren (in der Smoothie/Gemüse-Phase gab es so viel Obst, Spinat und Karotten wie nie zuvor und dafür kein Käse und keine Sahne, in der Low-Carb Phase hingegen wurde der Spieß umgedreht). Ich dachte anfangs, ich würde ohne Frühstück total durchdrehen, mit der Zeit habe ich aber einen Gefallen daran gefunden, endlich mal wieder Hunger zu haben. Es ist Wahnsinn, wie gut sich der Körper an neue Gewohnheiten anpassen kann. Ich habe gelernt, dass ich mich absolut überfressen habe und es mir mit weniger Nahrung am Tag deutlich besser geht. Wir leben in einer Zeit, in der man ohne Probleme jederzeit an Essen gelangen kann und ich würde behaupten dass man auch für wenig Geld gesättigt werden kann. Zudem ist Essen auch etwas Geselliges. Es gab Zeiten, da war es schwer, sich mit Freunden zu treffen, weil ich nur bestimmte Lebensmittel essen konnte und damit auswärts Essen nicht so einfach war. Es mag verwunderlich sein, aber ich habe auch gelernt dann auf die Diät zu scheißen, denn in solchen Momenten muss man der Seele auch was Gutes tun. Ob es die Stange Kölsch ist oder der Biss in die knusprige Pizza. Bei diesem Essen hat man sich gemeinsam vergnügt und man hatte eine tolle Zeit. Und darum geht es auch, selbst wenn das heißt dass ich eine Wette zu verlieren habe.
Nichtsdestotrotz merke ich, dass ich mittlerweile nicht mehr so random irgendein Essen verschlingen ohne Konsequenzen kann. Es ist zwar lecker, aber am Ende könnte ich von Magenschmerzen geplagt werden. Außerdem genieße ich das Saufen nicht mehr, welches für mich letztes Jahr noch absolut kein Problem war. Nach ein bis zwei Getränken ist es mir schon zu viel. Es könnte auch am Alter liegen, aber grundsätzlich werde ich wohl nicht mehr für harte Sauftouren zu haben sein, nur unter der Bedingung, dass es zwischendurch auch ein Wasser gibt. Es hat zwar eine soziale Komponente, aber ich habe auch gelernt, für mich Stop zu sagen, wenn es mir tatsächlich reicht. Ich kann niemanden verstehen, der einen zum Trinken zwingt, das macht mich mittlerweile sauer. Ich muss nicht „die Fahrerin“ sein, damit ich am Abend nüchtern bleibe. Ich darf auch einfach so nüchtern bleiben, das ist meine Entscheidung die keiner zu nehmen hat. Also, falls mich jemand zukünftig zum Trinken zwingen sollte, kann sich gerne auf etwas gefasst machen.
Was mich zudem auch stört ist, dass wenn man sich bewusst zu einer Ernährungsweise entscheidet, so muss man sich teilweise anhören, dass man eine Essstörung hat. Wenn man sich viel mit dem Thema Ernährung beschäftigt, ist dies nicht zu meiden. Es ist eine wirklich sehr sehr schlimme Krankheit und wünsche den Leuten viel Kraft, diese zu überstehen. Persönlich sehe ich den Unterschied allerdings zwischen dem Zwang und der freiwilligen Entscheidung, dem Weg zu folgen. Als Beispiel, jemand möchte vegan leben. Klar, kann damit auch eine Essstörung verbunden sein, das möchte ich nicht bestreiten. Dennoch kann es auch einfach nur die Entscheidung sein, so zu leben. Genauso kann man das zu „low-carb“ beziehen etc. Es handelt sich bei body positivity auch darum, dass man sich wohl in seiner Haut fühlt. In meinem Fall habe ich mich nicht mehr wohl gefühlt in meiner Haut und aus dieser Motivation heraus entstand die Wette. Es geht mir nicht darum, so wenig wie möglich zu essen, damit ich die besten Komplimente bekomme. Es geht mir darum, dass ich mich im Spiegel betrachte und zufrieden bin mit meiner Erscheinung. Jede Person hat seine Präferenzen, wo Ästhetik für sie beginnt und aufhört.
Da ich jetzt kein Zeitdruck mehr habe, schau ich einfach was mir in dem Moment zusagt und werde keine harten Grenzen setzen, dass x oder y nicht erlaubt ist. Dennoch werde ich aus den Lehren des vergangenen Jahres mich bedienen und dem folgen, was mir gut tut. Nun zurück zum Text.

Lange hatte ich mich auf den 02. Oktober 2020 gefreut, der Tag, an dem die Wette zu Ende ist. Das Problem an der #Vorfreude ist, dass sie verfliegt.
Bei mir verflog sie, als ich wusste, dass sich der D-Day auf den 04. Oktober 2020 verschieben würde und ich noch zwei Tage diszipliniert bleiben muss. Naja, am Tag der Entscheidung hatte ich trotzdem wahnsinnige Angst vor Papa Beste. Ich wusste, dass es nicht gereicht hat, aber ich war mir auch nicht sicher, wie er reagieren würde. Ich kam in den Raum rein und er konnte es kaum erwarten, dass ich die Waage betrete. 65,8.. Sein Gesicht zeigte zwar ein Lächeln, es war aber kein Siegerlächeln. “Ich bin stolz auf dich und das was du erreicht hast. Ich merke, dass du dich wirklich mit dem Thema beschäftigt hast und ich freue mich, dass du selbst sogar deine eigenen Statistiken angelegt hast“. Die Worte von Papa Beste erfüllten mein Herz, ich hatte das Gefühl, die Ziellinie eines Marathons durchquert zu haben.
Papa Beste bleibt einfach der Beste!
Die Sache an der Freude ist: Zu Beginn verspürt man entweder #Vorfreude oder man tut es nicht. Währenddessen wird man entweder vom Hocker gerissen oder man bleibt bloß mit seinen zu hohen Erwartungen zurückgelassen. Nichtsdestotrotz ist in beiden Fällen irgendwann der Moment vorbei. Zurück im Alltag, das Einzige was bleibt sind die Erinnerungen und die Nostalgie, dass es vorbei ist. Vielleicht kehrt man in einen tristen Alltag zurück. Die #Vorfreude hat einen übers Wasser gehalten und es war die einzige Zuflucht die man hatte, um dem Ganzen zu entfliehen. Ein anderer Ausgang könnte aber sein, dass das Hoch noch anhält und einen oben behält. Die Positivität durchfließt den gesamten Körper und die Erinnerung daran lässt den Alltag voller Farbe erscheinen.

Am Abend vom 04. Oktober 2020 stand ich tanzend in meinem Zimmer und habe meinen Triumph gefeiert.
Ich würde nicht sagen, dass die #Vorfreude unbedingt die schönste Freude ist, denn ich habe mich unbesiegbar gefühlt und die Erinnerung daran bringt mich aus dem Tiefsten zum Lächeln.

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